Glossar zur
Adhäsiven Befestigung.

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A

Adhäsion

Adhäsion ist das Aneinanderhaften zweier Körper. Ursache sind die zwischen den Körpern bei hinreichend starker Annäherung an den Berührungsflächen wirksam werdenden molekularen Anziehungskräfte. In den meisten Fällen sind hierbei eine feste Phase, das Substrat, und eine flüssige Phase, das Adhäsiv, beteiligt (Driessens 1977).

Zur Erklärung des Phänomens der Adhäsion existieren mehrere Theorien. Zum einen ist ein  rein mechanischer, mikroretentiver Verbund an rauen und porösen  Materialoberflächen  möglich. Zum anderen können Adhäsiv und Substrat chemische Bindungen eingehen. Hierzu zählen Ionenbindungen, kovalente Bindungen und auch sekundäre chemische Kräfte wie Wasserstoffbrückenbindungen, Dipolbeziehungen und van der Waals-Kräfte. In der Literatur existieren noch weitere Ansätze zu Erklärung der Adhäsion. Diese basieren auf physikalischen Wechselwirkungen wie elektrostatischen Anziehungskräften oder der Diffusion (Driessens  1977, Asmussen und Uno 1992, Van Meerbeek et al. 1996, Hellwig et al. 1999). Die Mehrzahl der Autoren in der Literatur der Zahnmedizin geht davon aus, dass die Verbindung zwischen Komposit und Zahnhartsubstanz mikromechanischer Natur ist, da eine chemische Verbindung von Füllungsmaterialien und Kollagen oder mineralischen Strukturen bisher nur in geringem Maße nachgewiesen werden konnte (Driessens 1977, Eliades et al. 1990, Spencer et al. 1992, Eick et al. 1993).

 

Voraussetzung für einen dauerhafte Adhäsion ist daher: Erzielen einer möglichst großen, retentiven und benetzbaren Haftfläche.

Adhäsiv

Andere Bezeichnung: Bond, Bonding oder Sealer. Dabei handelt es sich um nicht oder nur geringfügig gefüllte und dadurch niedrig-visköse, meist licht-aktivierte Monomere, die im Gegensatz zum Primer eher makromolekular sind.

Adhäsivsystem

Produkte zur Erzielung eines adhäsiven Verbundes zu Zahnhartsubstanz, die aus mehreren (in der Regel aus zwei) Komponenten bestehen, die nacheinander appliziert werden müssen.

Begriff identisch mit Glossar Adhäsive BefestigungBondingsystem.

All-in-one-Adhäsiv

Adhäsivsystem, bei dem nur noch eine Monomermischung aufgetragen wird, die sowohl im Schmelz als auch im Dentin wirkt. Alternativbegriff: Ein-Schritt selbstätzendes Adhäsiv.

All-in-one-Adhäsive werden angeboten in Form von Produkten, die aus zwei Komponenten angemischt werden müssen und solchen, die gebrauchsfertig aus einer Flasche aufgetragen werden können. Diese beiden Formen waren nötig, da es in der Entwicklung der Adhäsivsysteme der Synthese spezifischer Monomersysteme bedurfte, die auch im sauren Milieu lagerstabil sind. Solange diese nicht entwickelt waren, wurden die sauren Monomermischungen zum Einsatz vorbereitet, indem Wasser beigemengt wurde, so dass die Monomere überhaupt in saurer (sprich dissoziierter) Form vorliegen, um ihre Ätzwirkung auf dem Schmelz und im Dentin entfalten zu können.

Ätzmuster

Durch Ätzen mit Phosphorsäure entstehende kreidige raue Oberfläche, die nur am Zahnschmelz nach dem Trocknen mit bloßem Auge zu erkennen ist. Visuell kontrollierbares Zeichen einer erfolgreichen Schmelzätzung.

B

Befestigungskomposit

Kompositmaterial zur Befestigung von indirekten Restaurationen, angeboten in verschiedenen Viskositäten (dünnfließend oder pastös) und verschiedenen Aushärtungsmodi (licht-initiiert, chemisch-initiiert oder dual härtend). Es hat die Aufgabe, den kraftschlüssigen Verbund zwischen der mit Adhäsiv vorbehandelten Zahnhartsubstanz der Kavität oder des Zahnstumpfes und der mit Silan vorbehandelten Keramikrestauration herzustellen.

Bläschen im Phosphorsäure-Ätzgel

Beim Ätzen von Zahnschmelz mit Phosphorsäure unter Vergrößerung beobachtbare gasförmige Bläschen im Phosphorsäure-Gel, die als Nebenprodukte während des Ätzvorganges entstehen. Hinweis auf ausreichende Ätzdauer.

Bond

Andere Bezeichnung für Adhäsiv, Bonding, Bonding Agent oder Sealer.

Bonden

Aus dem Englischen eingedeutschtes Wort für die Applikation eines Bonds oder Adhäsivs. Wenn im Zusammenhang mit der Applikation von Adhäsivsystemen vom „Bonden“ gesprochen wird, ist ein vorheriges Primen notwendig. Nur durch die Vorbehandlung mit einem Primer können die eher großmolekularen Monomere der Adhäsive in das Kollagennetzwerk des konditionierten Dentins eindringen.

Bondingsystem

Andere Bezeichnung für Adhäsivsystem.

C

Chemisch initiierte Aushärtung

Andere Begriffe: chemische Aushärtung, Autopolymerisation.

Einem Produkt (Adhäsiv, Komposit, Kompomer) werden Katalysatoren beigemengt, die die Radikalbildung auslösen. Im Gegensatz zur licht-initiierten Aushärtung erfolgt die Polymerisation in der gesamten Masse gleichmäßig, gleichzeitig und langsamer, so dass geringere Polymerisationsschrumpfungskräfte entstehen.

Condi-Primer

Bezeichnung für saure Primer, die somit in der Lage sind, Schmelz und Dentin zu konditionieren.

D

Dentin Adhäsiv

Bezeichnung, die bei den aktuellen Adhäsivsystemen nicht mehr zutrifft, da es kein Adhäsiv gibt, das ausschließlich im Dentin wirkt. Alle Adhäsivsysteme können sowohl im Schmelz als auch im Dentin aber auch selektiv nur auf dem Schmelz oder nur im Dentin eingesetzt werden.

Dentinadhäsive Restauration

Bezeichnung für das aufwändige Verfahren zur Applikation von Kompositen in Kavitäten der Klassen I, II, III und IV bei Anwendung der Adhäsivtechnik mit Haftung am Dentin. Nachdem die Stellungnahme der Hochschullehrer für Zahnerhaltung und der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung zu dentinadhäsiven Restaurationen bekannt wurde, sind mehrere Urteile ergangen, die die von der Bundeszahnärztekammer empfohlene Analogbewertung über die Gebührennummern 215 bis 200 GOZ bejahen. Das Amtsgericht Mainz sieht in Folge der gutachterlichen Ausführungen dentinadhäsive Restaurationen als selbstständige Leistungen an, die aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse nach 1988 zur Praxisreife entwickelt wurden.

AG Mainz, Urteil vom 31. August 2000, Az 86 C 66/00.

AG Erlangen, Urteil vom 9. November 1999, Az 2 C 1049/98.

Gleichwohl gibt es aber auch nach wie vor amtsgerichtliche Urteile, die die Analogberechnung nicht anerkennen. AG Dachau, Urteil vom 18. Januar 2000, Az 2 C 1084/99.

Dualhärtendes Befestigungskomposit (Dualzement)

Sowohl licht-initiiert als auch chemisch-initiiert aushärtendes Befestigungskomposit. Eingesetzt werden Produkte dieser Gruppe, wenn Unsicherheiten bestehen, ob das Licht durch alle Bereiche der Restauration genügend stark bis zum Befestigungskomposit durchdringen kann, um die Initiatoren zu aktivieren. In diesen Fällen kann eine chemische Initiation die Aushärtung in diesen Bereichen sicherstellen. Die chemisch-initiiert reagierenden Katalysatoren können durch zu warme Lagerung inaktiv werden: daher ist die Kühlschranklagerung sehr wichtig.

E

Ein-Flaschen-Adhäsivsystem

Adhäsivsystem, das nur aus einer Flasche besteht, somit die Funktion des Primers (kurze, kleine Monomere zur besseren Diffusion in die Zwischenräume des Kollagennetzwerkes) als auch die des Adhäsivs (längere, größere Monomere zu Stabilisierung der mit Primer durchdrungenen Hybridschicht und zur Einebnung der Oberfläche zur besseren, luftblasenfreien Adaptation des Füllungs- oder Befestigungskomposits) in einer Flüssigkeit erfüllt.

Ein-Flaschen-Adhäsivsysteme werden in der Gruppe der Etch&Rinse-Adhäsivsysteme und in der Gruppe der selbst-ätzenden Systeme angeboten.

Ein-Schritt-Adhäsivsystem

Adhäsivsystem, bestehend aus einer oder zwei Flaschen bzw. Komponenten, das in einem Applikationsschritt angewendet wird und zur Gruppe der selbst-ätzenden Adhäsivsysteme gehört. Bei einem Adhäsivsystem mit zwei Flaschen oder zwei Komponenten wird die wirksame Lösung erst durch Anmischen erreicht. Bei den Ein-Flaschen selbstätzenden Adhäsivsystemen kann der Inhalt direkt appliziert werden.

Etch&Rinse-Technik

Anwendung von Adhäsivsystemen, bei denen Phosphorsäure auf Schmelz und Dentin (aber auch selektiv nur auf Schmelz möglich) appliziert und nach einer Einwirkzeit wieder abgesprüht wird.

Weit verbreitet ist auch der Begriff der „Total-Ätz-Technik“ für die gleichzeitige Applikation der Phosphorsäure auf Schmelz und Dentin, der allerdings nicht mehr ganz korrekt ist, da auch bei selbst-ätzenden Adhäsivsystemen eine Ätzung mit Säure (mit sauren Monomerlösungen) in der gesamten Kavität stattfindet. Der Begriff „Etch&Rinse-Technik“ macht deutlicher, dass die aufgebrachte Säure wieder abgesprüht wird.

G

Glyceringel (Airblock)

Gel zum Auftragen auf Kompositoberflächen (z.B. Befestigungskompositen im Fugenbereich von indirekten Restaurationen) zur Verdrängung des Sauerstoffs, der durch Abfangen der Radikale eine Polymerisation der Monomersysteme und damit eine Aushärtung des Komposits (so genannte Sauerstoff-Inhibitionsschicht) an der Oberfläche verhindert.

H

HEMA

Hydroxyethylmethacrylat. Wird in den meisten Adhäsivsystemen eingesetzt, die Benetzbarkeit des Dentins sicherzustellen, da es als hydrophiles Monomer in der Lage ist, in die durch Ätzung freigelegten Zwischenräume des Kollagennetzwerkes einzudringen.

Mit HEMA ist eine relativ große Allergisierungsgefahr verbunden. Daher sollte der Kontakt mit Adhäsivsystemen auch mit Schutzhandschuhen vermieden werden, da nach Minuten HEMA auch durch Latex-Handschuhe diffundiert.

Hochviskös

Zähflüssig, eher pastös.

Hybridschicht

Von Monomeren durchdrungene Kollagennetzwerkschicht zur mikromechanischen Veranke- rung eines Adhäsivsystems an der Dentinoberfläche.

Mischung aus Monomeren und Kollagenfasern. Durch die Applikation eines Adhäsivs entsteht die Hybridschicht. Ein hydrophiler Primer verbessert die Benetzbarkeit des Kollagengeflechtes. Die Tiefe der Hybridschicht ist abhängig von der Ätzwirkung der aufgebrachten Säure (Phosphorsäure oder saure Monomerlösung). In der Regel wird nach der Applikation von Phosphorsäure eine tiefere Freilegung des Kollagenfasernetzwerkes erreicht, wobei die Tiefe dabei wiederum abhängig von der Applikationszeit und der Art des Auftragens (aktiv, mit Bewegung, oder passiv) abhängig ist.

Die Tiefe der Hybridschicht ist nicht entscheidend für die Haftkraft eines Adhäsivsystems.

Hydrophil

Wasserfreundlich, kann mit feuchten Oberflächen Kontakt aufnehmen. Gegensatz zu hydrophob.

Hydrophob

Wasserabweisend, kann mit feuchten Oberflächen keinen oder nur ungenügenden Kontakt aufnehmen. Gegensatz zu hydrophil.

K

Konditionieren, Konditionierung

Vorbehandlung von Schmelz und Dentin zur Schaffung einer retentiven Oberfläche mit Säuren (Phosphorsäure bei den Etch&Rinse-Systemen oder saure Monomerlösungen bei den selbst-ätzenden Adhäsivsystemen).

 

 

L

Licht-initiierte Aushärtung

Andere Begriffe: Lichthärtung, Lichtpolymerisation.

In den Produkten (Adhäsiv, Komposit, Kompomer) vorhandene Initiatoren werden durch das Licht einer bestimmten, für den Initiator spezifischen Wellenlänge aktiviert. Vorteil: der Zeitpunkt der Aushärtung kann vom Behandler bestimmt werden, so lange der Zutritt von Licht des spezifischen Wellenlängenbereiches verhindert wird.

Nachteil: das Licht kann nur bestimmte Schichtstärken durchdringen (Komposit ca. 2 mm, Keramik ca. 3 mm, abgängig von der Transparenz des Mediums und der Lichtintensität der Polymerisationslampe.

Lösungsmittel

Werden benötigt, um Monomerlösungen zu mischen und besser applizieren zu können. Gebräuchlich sind Alkohol, Azeton und Wasser. Dabei sind bestimmte Monomere nur in bestimmten Lösungsmitteln anzuwenden, da sie nur in ihnen löslich sind. Das Lösungsmittel muss zur sicheren Polymerisation der Monomere verdunstet sein. Das Verdunsten wiederum ist bei den typischen Lösungsmitteln unterschiedlich: Azeton > Alkohol > Wasser. In Kombination mit der Etch&Rinse-Technik können die Lösungsmittel unterschiedlich auf ausgetrocknete, zuvor geätzte Dentinoberflächen reagieren; so sind azeton-haltige Adhäsivsysteme besonders ungünstig bei zu trockenen Dentinoberflächen, während Systeme mit Alkohol oder Wasser eher eine gewisse „Re-wetting-Funktion“ besitzen.

M

Mehr-Flaschen-Adhäsivsystem

Adhäsivsystem, bestehend aus zwei oder mehreren Flaschen. Diese können zur Gruppe der Etch&Rinse-Systeme gehören (= Mehr-Schritt-Adhäsivsystem), deren Inhalt nacheinander appliziert wird, oder zur Gruppe der selbst-ätzenden Adhäsivsysteme. In der letztgenannten Gruppe können Zwei-Flaschen-Adhäsivsysteme entweder als Zwei-Schritt-Adhäsivsystem eingesetzt werden (deren Inhalte jeweils nacheinander appliziert werden) oder zu den All-in- one-Adhäsiven gehören, die nach Mischen der beiden Komponenten in einem Arbeitsschritt appliziert werden (Ein-Schritt-Adhäsivsystem).

Mehr-Schritt-Adhäsivsystem

Adhäsivsysteme, bestehend aus zwei oder mehreren Flaschen, die in zwei oder mehreren Applikationsschritten angewendet werden. Es kann sich dabei um ein Zwei-Flaschen-Adhäsivsystem in Kombination mit der Etch&Rinse-Technik (Ätzen mit Phosphorsäure, Primen und Bonden) oder um ein Ein-Flaschen-Adhäsivsystem in Kombination mit der Etch&Rinse-Technik handeln (Ätzen mit Phosphorsäure und Bonden) oder um ein selbst-ätzendes Adhäsivsystem, bei dem die Komponenten nacheinander appliziert werden (Primen und Bonden).

Moist-bonding

Anderer Begriff für Wet-bonding.

N

Niedrigviskös

Flüssig, höhere Fließfähigkeit.

P

Phosphorsäure

37%ige gepufferte Phosphorsäure in Gelform, die in den verschiedenen Produkten farblich deutlich markiert ist. Einwirkzeit: Zahnschmelz 15-40 Sekunden (je länger, desto sicherer das Ätzmuster), Dentin ca. 15 Sekunden. Daher sollte bei der Applikation der Phosphorsäure auf den Schmelzarealen der Kavität begonnen werden.

Die Phosphorsäure muss vollständig und mindestens 15 Sekunden lang mit Wasserspray abgesprüht werden, um alle Präzipitate zu beseitigen.

Polymerisation

Vernetzung von Monomeren zur Aushärtung von Adhäsiven, Füllungs- und Befestigungskompositen. Die Vernetzungsreaktion wird durch Radikalbildung initiiert. Diese wiederum kann durch Licht initiiert oder durch eine Beimengung eines Katalysators chemisch initiiert eingeleitet werden.

Präzipitate

Durch Ätzen herausgelöste Bestandteile von Zahnhartsubstanz oder Keramik, die wieder ausfällen, auf der Oberfläche liegen bleiben und dadurch die Haftung beeinträchtigen können, wenn sie nicht durch kräftiges Absprühen beseitigt werden.

Primer

Die erste Komponente, die aus meist kleinen, kurzen Monomeren besteht, und im Dentin die Aufgabe hat, in die durch Säurevorbehandlung (Phosphorsäure, die abgesprüht wird, oder saure Monomerlösungen, die auf der Oberfläche verbleiben) freigelegten Räume im Kollagennetzwerk einzudringen.

Im Schmelz unterstützt der Primer bei vorheriger Anwendung der Phosphorsäure das Eindringen bis in die feinsten Nanobereiche des Ätzmusters.

Primen

Aus dem Englischen eingedeutschtes Wort für die Vorbehandlung der Zahnhartsubstanz mit einem Primer. Wird im Allgemeinen eingesetzt bei der Beschreibung von Zwei-Schritt-Adhäsiv-Systemen als erster Schritt vor dem so genannten Bonden. Nur durch die Vorbehandlung mit einem Primer können die eher großmolekularen Monomere der Adhäsive in das Kollagen- netzwerk des konditionierten Dentins eindringen.

R

Re-wetting

Wiederbefeuchtung der mit Phosphorsäure angeätzten Dentinoberfläche einer Kavität, zum Zweck des Wiederaufrichtens des kollabierten Kollagennetzwerks. Dadurch wird dem Primer die Möglichkeit gegeben, in die Zwischenräume des Kollagennetzwerkes einzudringen und die Hybridschicht bis in die tiefsten angeätzten Bereiche auszubilden.

Das Wiederbefeuchten kann mit einem leicht angefeuchteten Microbrush erfolgen, mit dem Ziel eine leicht glänzende Oberfläche im Dentin zu erkennen. Dazu kann ein Applikator in Wasser getaucht werden und an der Serviette wieder leicht getrocknet oder im Sprühnebel der Mehrfunktionsspritze leicht befeuchtet werden. Damit kann das Dentin der Kavität in einen leicht glänzenden Zustand gebracht werden und es kann davon ausgegangen werden, dass das Kollagennetzwerk dann nicht zusammengefallen ist, so dass der Primer bis in die tiefsten Bereiche des konditionierten Dentins eindringen kann.

S

Sauerstoff-Inhibitionsschicht

Oberflächliche Kompositschicht, die durch Kontakt mit Sauerstoff an der Aushärtung gehindert wird, da Sauerstoff die Radikale, die bei der Abbindereaktion licht-initiiert oder chemisch-initiiert entstehen, abfängt.

Sie wird genutzt, um nach Applikation einer zweiten Schicht und dadurch erfolgter Verdrängung des Sauerstoffs bei Initiation von neuen Radikalen die noch vorhandenen nicht reagierten Doppelbindungen in die Polymerisationsreaktion mit einzubeziehen und damit die Schichten zu verbinden.

Säurevorbehandlung

Behandlung der Zahnhartsubstanz mit Säuren (Phosphorsäure, die abgesprüht wird, oder saure Monomerlösungen, die auf der Oberfläche verbleiben) zum Zweck der Oberflächenvergrößerung im Schmelz und Freilegung des Kollagennetzwerkes im Dentin.

Dabei wird durch die Applikation der Phosphorsäure auf Schmelz und Dentin jeweils eine geringe Schichtstärke irreversibel abgetragen.

Schwache Säure

Z.B. Maleinsäure. Bestandteil selbstätzender Adhäsivsysteme

Die Bezeichnung „schwach“ bezieht sich dabei nicht unbedingt nur auf den pH-Wert sondern eher auf die so genannte Säurekapazität, die durch die Menge Lauge bestimmt wird, um die Säure zu neutralisieren. Im Allgemeinen besitzt die Phosphorsäure eine höhere Säurekapazität als saure Monomerlösungen. Dadurch wird auch die etwas geringere Ätzwirkung der selbst-ätzenden Adhäsivsysteme im Schmelz begründet.

Selbstätzende Adhäsivsysteme

Ohne vorherige Applikation von Phosphorsäure wirkende Adhäsivsysteme, die saure Primer besitzen, um Schmelz und Dentin in einem Arbeitsschritt zu ätzen (zu konditionieren). Es werden dabei Systeme unterschieden, die in zwei Schritten appliziert werden müssen (zunächst ein Primer, dann ein Adhäsiv) und solche, die in einem Schritt aufgetragen werden, so genannte All-in-one-Adhäsive. In beiden Gruppen gibt es jeweils Produkte, bei denen die Primer vor der Applikation angemischt werden müssen, und solche, die bereits gebrauchsfähig angeboten werden.

Selbstkonditioniernde Adhäsivsysteme

Andere Bezeichnung für selbstätzende Adhäsivsysteme.

Selektives Ätzen

Gezieltes Ätzen der Schmelzbereiche einer Kavität, um die bessere (effektivere) Ätzwirkung der Phosphorsäure im Schmelz auszunutzen. Dabei kann es in manchen Kavitäten schwierig sein, gezielt das Ätzgel nur auf den Schmelz zu applizieren.

T

Total-Ätz-Technik

Heute nicht mehr ganz korrekter Begriff für die Anwendung von Adhäsivsystemen, bei denen Phosphorsäure auf Schmelz und Dentin appliziert und nach einer Einwirkzeit wieder abgesprüht wird. Der Begriff hat sich historisch entwickelt, da zunächst große Bedenken bestanden, bewusst Phosphorsäure auf den Schmelz zu applizieren. Erst recht abgelehnt wurde daher das Benetzen von Dentin mit Phosphorsäure. Erst als durch Studien von Fusayama gezeigt werden konnte, dass das Ätzen von Dentin mit Phosphorsäure und anschließende Applizieren von hydrophilen Monomeren keine Pulpaschädigung zur Folge hat, wurde die Technik eingeführt, die gesamte (totale) Kavität mit Phosphorsäure zu konditionieren. Damit wurde der Begriff der Total-Ätz-Technik eingeführt.

Dieser Begriff ist allerdings heute nicht mehr ganz korrekt, da auch bei selbst-ätzenden Adhäsivsystemen eine Ätzung mit Säure (mit sauren Monomerlösungen) in der gesamten Kavität stattfindet. Der korrektere Begriff „Etch&Rinse-Technik“ macht deutlicher, dass die aufgebrachte Säure wieder abgesprüht wird.

W

Wet-bonding

Bei Anwendung der Etch&Rinse-Technik wird das Kollagennetzwerk freigelegt und kann zwischen dem Absprühen der Phosphorsäure und dem Austragen des Primers durch starkes Trocknen zusammenfallen. Dann wird das Eindringen des Primers bis in die tiefsten nicht mehr demineralisierten kompakten Dentinbereiche erschwert oder gar verhindert. Deshalb muss das freigelegte Kollagennetzwerk feucht (im Engl. „moist“ oder „wet“) gehalten werden. Ein durch exzessives Trocknen zusammengefallenes Kollagennetzwerk kann wieder „aufgeplustert“ und somit fast in seinen Zustand direkt nach dem Ätzen gebracht werden, wenn es wieder angefeuchtet wird (im Engl. „re-wetting“ genannt).

Z

Zwei-Flaschen-Adhäsivsystem

Adhäsivsystem, bestehend aus zwei Flaschen. Diese können zur Gruppe der Etch&Rinse-Systeme gehören (= Mehr-Schritt-Adhäsivsystem) und deren Inhalt nacheinander appliziert wird oder zur Gruppe der selbst-ätzenden Adhäsivsysteme. In der letztgenannten Gruppe können Zwei-Flaschen-Adhäsivsysteme entweder als Zwei-Schritt-Adhäsivsystem eingesetzt werden (deren Inhalt nacheinander appliziert wird) oder zu den All-in-one-Adhäsiven gehören, die nach Mischen der beiden Komponenten appliziert werden (Ein-Schritt-Adhäsivsystem).

Zwei-Schritt-Adhäsivsystem

Adhäsivsystem, bestehend aus zwei oder mehreren Flaschen, das in zwei Applikationsschritten angewendet wird. Es kann sich dabei um ein Ein-Flaschen-Adhäsivsystem in Kombination mit der Etch&Rinse-Technik handeln (Ätzen mit Phosphorsäure und Bonden) oder um ein selbst-ätzendes Adhäsivsystem, bei dem die Komponenten nacheinander appliziert werden (Primen und Bonden).


Autor: Dr. Uwe Blunck

Quellen:

  • Asmussen, E., Uno, S. Adhesion of restorative resins to dentin: chemical and physicochemical aspects. Oper Dent. 5; 1992. p. 68-74.
  • Driessens, F.C.M.: Chemical adhesion in dentistry. Int Dent J 27, 317-323 (1977).
  • Eick, J.D., Robinson, S.J., Byerley, T.J., Chappelow, C.C.: Adhesives and nonshrinking dental resins of the future. Quintessence Int 24, 632-640 (1993).
  • Eliades, G., Palaghias, G., Vougiouklakis, G.: Surface reactions of adhesives on dentin. Dent Mater 6, 208-216 (1990). Hellwig, E., Klimek, J., Attin, T.: Einführung in die Zahnerhaltungl. München: Urban und Fischer; 1999.
  • Spencer, P., Byerley, T.J., Eick, J.D., Witt, J.D.: Chemical characterization of the dentin/adhesive interface by Fourier Transform Infrared Photoacoustic Spectroscopy. Dent Mater 8, 10-15 (1992).
  • Van Meerbeek, B., Perdigao, J., Gladys, S., Lambrechts, P., Vanherle, G.: Enamel and dentin adhesion. In Schwartz, R.S., Summitt, J.B., Robbins, J.W. (Hrsg.), Fundamentals of operative dentistry - a contemporary approach. Chicago, Quintessence; 141-186 (1996).